Gemeinsame Erklárung zur:

Harrnonisierung der Architektur der europáíschen Hochschulbildung

der vier Minister Frankreichs, Deutschlands, Großbritanniens und Italiens


Der europáische Prozeß ist in letzter Zeit um einige bedeutende Schritte weiter vorangetrieben worden. So wichtig diese aber auch sein mógen: mansollte nicht vergessen, daß Europa nicht nur das Europa des Euro, der Banken und der Wirtschaft ist; es muß auch ein Europa des Wissens sein. Wir mússen auf die intellektuellen, kulturellen, sozialen und technischen Dimensionen unseres Kontinents bauen und sie stárken. Sie sind in großem Maße von ihren Universitáten geprágt worden, die weiterhin eine ganz entscheidende Rolle in deren Entwicklung spielen.

Die Universitáten wurden in Europa vor ungefáhr 750 Jahren gegrùndet.Unsere vier Lánder sind stolz darauf, úber einige der áltesten zu verfùgen, die jetzt wichtige Jubiláen feiern, wie die Universitát von Paris es heute tut. Damals reisten Studenten und Wissenschaftler umher und verbreiteten in kurzer Zeit ihr Wissen auf dem gesamten Kontinent. Heutzutage absolvieren zu viele unserer Studenten ihr Hochschulstudium, ohne den Vorteil zu nutzen, einen Teil der Studienzeit im Ausland zu verbringen. 


Wir schen uns auch ciner Zeit grundlegender Veránderungen im Bildungsbereich und am Arbeitsplatz gegenúber, einer Diversifizierung der
Berufsausbildung, in der lebenslanges Lemen zu einer ganz klaren Verpflichtung wird. Wir schulden unseren Studenten und unserer Gesellschaft insgesamt ein Hochschulsystem, in dem ihnen die besten Móglichkeiten geboten werden, den Platz zu suchen und zu finden, fúr den sie am besten geeignet sind.


Ein offener europáischer Raum fúr Hochschulbildung birgt zahlreiche positive Perspektiven, wobei naturlich unsere Unterschiede berùcksichtigt werden mússen; auf der anderen Seite ist es erforderlich, sich stets darum zu bemúhen, Hindernisse aus dem Weg zu ráumen und Rahmenbedingungen fùr das Lemen und Lehren zu schaffen, um die Mobilitát zu steigern und eine noch engere Zusanunenarbeit fórdem zu konnen.


Die internationale Anerkernnung und Attraktivitát unserer Bildungssysteme hángen unmittelbar damit zusammen, wie diese von außen und von innen gesehen werden. Es scheint ein System zu entstehen, in dem zwei große Zyklen, Studium und Postgraduiertenstudium, fùr den internationalen Vergleich und die Feststellung von Entsprechungen anerkannt werden sollten.

Die Besonderheiten und die Flexibilitát dieses Systems werden insbesonderedurch die Anrechnung von Studienleistungen (wie bei dem Europáische Programm zur Anrechnung Von Studienleistungen, ECTS) und Semestem erzielt.


Somit kónnen Leistungen derer anerkannt werden, die wáhrend ihrer Aus- oder Weiterbildung verschiedene europáische Universitáten besuchen wollen und in der Lage sein móchten, in angemessener Zeit einen akademischen Abschluß zu erwerben. Studenten sollten tatsáchlich in der Lage sein, zu jedem Zeitpunkt ihrer berufliche Karriere und mit unterschiedlichen Erfahrungen Zugang zur Hochschule zu finden.

Studenten sollte der Zugang zu unterschiedlichsten Studiengánge sowie auchzu multidisziplináren Studien ermoglicht werden; sie sollten in die Lage versetzt werden, sich Fremdsprachenkenntnisse anzueignen und neue Informationstechnologien anzuwenden.


Die internationale Anerkennung des ersten Abschlusses als angemessene berufliche Qualifikation ist wichtig fùr den Erfolg dieses Unternehmens, mit dem wir uns darum bemúhen, die Ausbildung an unseren Hochschulen fúr alle verstándlich zu machen.


Im Postgraduiertenzyklus kónnte zwischen einem kiirzeren Master-Studium und einer lángeren Promotion mit Ubergangsmóglichkeiten zwischen beiden gewáhlt werden. Bei beiden Postgraduiertenabschlùssen wlrd besonderes Gewicht auf Forschung und eigenstándiges Arbeiten gelegt.


Sowohl vor als auch nach dem ersten Hochschulabschluß sollten Studenten dazu ermutigt werden, mindestens ein Semester an einer Universitát im Ausland zu studieren. Gleíchzeitig sollten mehr Dozenten und Wissenschaftler ín anderen europáischen Lándern als ihren Herkunftslándern arbeiten. Die stetig wachsende Unterstútzung der Europáíschen Union fúr die Mobilitát der Studenten und Dozenten sollte voll ausgeschopft werden.


Die meisten Lánder, nicht nur in Europa, haben erkannt, daß diese Entwicklung unterstútzt werden sollte. Auf den Konferenzen der europáischen Rektoren, der Universitátsprásidenten, Gruppen von Experten und Wissenschaftlern in unseren jeweiligen Lándern hat man sich eingehend mit diesem Thema befaßt.


Letztes Jahr ist in Lissabon ein Abkommen zur Anerkennung von Hochschulabschlússen innerhalb Europas verabschiedet worden. Das Abkommen beinhaltet eínige grundlegende Anforderungen und stellt fest, daß die einzelnen Lánder noch konstruktiver zusammen arbeiten konnten. Wenn man diese Schlußfolgerungen beherzigt, kann man darauf aufbauen und noch weiter gehen. Durch die entsprechenden Richtlinien der Europáischen Union ist im Bereich der gegenseitígen Anerkennung berufsqualifizlerender Hochschulabschlússe schon viel erreicht worden. Dennoch mússen unsere Regierungen noch einiges tun, um Míttel und Wege zu finden, damit erbrachte Studienleistungen angerechnet und die jeweiligen akademischen Abschlússe schneller anerkannt werden. Wir gehen davon aus, daß zu diesem Zweck zusátzliche Abkommen zwischen Universitáten geschlossen werden. Eine progressive Harmonisierung der gesamten Rahmenbedingungen fùr unsere akademischen Abschlússe und Ausbildungszyklen kann dadurch erzielt werden, daß bereits gesammelte Erfahrungen, gemeinsame Diplome, Pilot-lnitiativen und der Dialog aller Betroffenen in verstárktem Maße gefòrdert werden.


Wir verpflichten uns hiermit, uns fùr einen genieinsamen Rahmen einzusetzen, um so die Anerkennung akademischer Abschlússe im Ausland, dieMobilitát der Studenten sowie auch ihre Vermittelbarkeit am Arbeitsmarkt zu fórdern.


Das Jubiláum der Universitát von Paris, heute hier an der Sorbonne, gibt uns nun den ehrenvollen Anlaß, uns darum zu bemùhen, einen europáischen Raum fùr Hochschulbildung zu schaffen, in dem nationale Identitáten und gemeinsaine Interessen interagieren und sich gegenseitig stárken konnen zum Wohle Europas, seiner Studenten und seiner Bùrger allgemeín. Wir rufen andere Mitgliedstaaten der Europáischen Union und andere europáischeStaaten dazu auf, uns in diesem Bemiihen zu unterstùtzen und rufen alle europáischen
 Unìversitáten dazu auf, die Position europeas in der Welt durch standing verbesserte und moderne Bildung fùr seine Bùrger zu festing.