Der europáische Prozeß
ist in letzter Zeit um einige bedeutende Schritte weiter vorangetrieben
worden. So wichtig diese aber auch sein mógen: mansollte nicht
vergessen, daß Europa nicht nur das Europa des Euro, der Banken
und der Wirtschaft ist; es muß auch ein Europa des Wissens sein.
Wir mússen auf die intellektuellen, kulturellen, sozialen und
technischen Dimensionen unseres Kontinents bauen und sie stárken.
Sie sind in großem Maße von ihren Universitáten geprágt
worden, die weiterhin eine ganz entscheidende Rolle in deren Entwicklung
spielen.
Die Universitáten wurden in
Europa vor ungefáhr 750 Jahren gegrùndet.Unsere vier Lánder
sind stolz darauf, úber einige der áltesten zu verfùgen,
die jetzt wichtige Jubiláen feiern, wie die Universitát
von Paris es heute tut. Damals reisten Studenten und Wissenschaftler
umher und verbreiteten in kurzer Zeit ihr Wissen auf dem gesamten Kontinent.
Heutzutage absolvieren zu viele unserer Studenten ihr Hochschulstudium,
ohne den Vorteil zu nutzen, einen Teil der Studienzeit im Ausland zu
verbringen.
Wir schen uns auch ciner Zeit grundlegender
Veránderungen im Bildungsbereich und am Arbeitsplatz gegenúber,
einer Diversifizierung der
Berufsausbildung, in der lebenslanges Lemen zu einer ganz klaren Verpflichtung
wird. Wir schulden unseren Studenten und unserer Gesellschaft insgesamt
ein Hochschulsystem, in dem ihnen die besten Móglichkeiten geboten
werden, den Platz zu suchen und zu finden, fúr den sie am besten
geeignet sind.
Ein offener europáischer Raum
fúr Hochschulbildung birgt zahlreiche positive Perspektiven,
wobei naturlich unsere Unterschiede berùcksichtigt werden mússen;
auf der anderen Seite ist es erforderlich, sich stets darum zu bemúhen,
Hindernisse aus dem Weg zu ráumen und Rahmenbedingungen fùr
das Lemen und Lehren zu schaffen, um die Mobilitát zu steigern
und eine noch engere Zusanunenarbeit fórdem zu konnen.
Die internationale Anerkernnung und
Attraktivitát unserer Bildungssysteme hángen unmittelbar
damit zusammen, wie diese von außen und von innen gesehen werden.
Es scheint ein System zu entstehen, in dem zwei große Zyklen,
Studium und Postgraduiertenstudium, fùr den internationalen Vergleich
und die Feststellung von Entsprechungen anerkannt werden sollten.
Die Besonderheiten und die Flexibilitát
dieses Systems werden insbesonderedurch die Anrechnung von Studienleistungen
(wie bei dem Europáische Programm zur Anrechnung Von Studienleistungen,
ECTS) und Semestem erzielt.
Somit kónnen Leistungen derer
anerkannt werden, die wáhrend ihrer Aus- oder Weiterbildung verschiedene
europáische Universitáten besuchen wollen und in der Lage
sein móchten, in angemessener Zeit einen akademischen Abschluß
zu erwerben. Studenten sollten tatsáchlich in der Lage sein,
zu jedem Zeitpunkt ihrer berufliche Karriere und mit unterschiedlichen
Erfahrungen Zugang zur Hochschule zu finden.
Studenten sollte der Zugang zu unterschiedlichsten
Studiengánge sowie auchzu multidisziplináren Studien ermoglicht
werden; sie sollten in die Lage versetzt werden, sich Fremdsprachenkenntnisse
anzueignen und neue Informationstechnologien anzuwenden.
Die internationale Anerkennung des
ersten Abschlusses als angemessene berufliche Qualifikation ist wichtig
fùr den Erfolg dieses Unternehmens, mit dem wir uns darum bemúhen,
die Ausbildung an unseren Hochschulen fúr alle verstándlich
zu machen.
Im Postgraduiertenzyklus kónnte
zwischen einem kiirzeren Master-Studium und einer lángeren Promotion
mit Ubergangsmóglichkeiten zwischen beiden gewáhlt werden.
Bei beiden Postgraduiertenabschlùssen wlrd besonderes Gewicht
auf Forschung und eigenstándiges Arbeiten gelegt.
Sowohl vor als auch nach dem ersten
Hochschulabschluß sollten Studenten dazu ermutigt werden, mindestens
ein Semester an einer Universitát im Ausland zu studieren. Gleíchzeitig
sollten mehr Dozenten und Wissenschaftler ín anderen europáischen
Lándern als ihren Herkunftslándern arbeiten. Die stetig
wachsende Unterstútzung der Europáíschen Union
fúr die Mobilitát der Studenten und Dozenten sollte voll
ausgeschopft werden.
Die meisten Lánder, nicht nur
in Europa, haben erkannt, daß diese Entwicklung unterstútzt
werden sollte. Auf den Konferenzen der europáischen Rektoren,
der Universitátsprásidenten, Gruppen von Experten und
Wissenschaftlern in unseren jeweiligen Lándern hat man sich eingehend
mit diesem Thema befaßt.
Letztes Jahr ist in Lissabon ein Abkommen
zur Anerkennung von Hochschulabschlússen innerhalb Europas verabschiedet
worden. Das Abkommen beinhaltet eínige grundlegende Anforderungen
und stellt fest, daß die einzelnen Lánder noch konstruktiver
zusammen arbeiten konnten. Wenn man diese Schlußfolgerungen beherzigt,
kann man darauf aufbauen und noch weiter gehen. Durch die entsprechenden
Richtlinien der Europáischen Union ist im Bereich der gegenseitígen
Anerkennung berufsqualifizlerender Hochschulabschlússe schon
viel erreicht worden. Dennoch mússen unsere Regierungen noch
einiges tun, um Míttel und Wege zu finden, damit erbrachte Studienleistungen
angerechnet und die jeweiligen akademischen Abschlússe schneller
anerkannt werden. Wir gehen davon aus, daß zu diesem Zweck zusátzliche
Abkommen zwischen Universitáten geschlossen werden. Eine progressive
Harmonisierung der gesamten Rahmenbedingungen fùr unsere akademischen
Abschlússe und Ausbildungszyklen kann dadurch erzielt werden,
daß bereits gesammelte Erfahrungen, gemeinsame Diplome, Pilot-lnitiativen
und der Dialog aller Betroffenen in verstárktem Maße gefòrdert
werden.
Wir verpflichten uns hiermit, uns fùr
einen genieinsamen Rahmen einzusetzen, um so die Anerkennung akademischer
Abschlússe im Ausland, dieMobilitát der Studenten sowie
auch ihre Vermittelbarkeit am Arbeitsmarkt zu fórdern.
Das Jubiláum der Universitát
von Paris, heute hier an der Sorbonne, gibt uns nun den ehrenvollen
Anlaß, uns darum zu bemùhen, einen europáischen
Raum fùr Hochschulbildung zu schaffen, in dem nationale Identitáten
und gemeinsaine Interessen interagieren und sich gegenseitig stárken
konnen zum Wohle Europas, seiner Studenten und seiner Bùrger
allgemeín. Wir rufen andere Mitgliedstaaten der Europáischen
Union und andere europáischeStaaten dazu auf, uns in diesem Bemiihen
zu unterstùtzen und rufen alle europáischen
Unìversitáten dazu auf, die Position europeas in
der Welt durch standing verbesserte und moderne Bildung fùr seine
Bùrger zu festing.